Die Orgelbauer Nagel in Großenhain
von Jiri Kocourek
Gottlob Heinrich Nagel wurde 1805 wahrscheinlich in Grünberg
geboren und starb 1883 in Großenhain.
Um 1824/26 (spätestens 1830) gründete er in Großenhain eine Orgelbauwerkstatt.
Sein Lehr-meister ist nicht bekannt, stilistisch ähneln seine frühen Orgeln
denen der Dresdner Werkstatt Kayser (und deren Nachfolgers Fr. N. Jahn).
Sein Erstlingswerk entstand bereits 1826 oder 1830 in Reichenbach bei
Kamenz. Bis 1869 sind mir 22 Orgelneubauten und einige weitere Arbeiten
bekannt.
Fast durchweg handelt es sich um einmanualige Orgeln mit Pedal und 6 bis
13 Registern, zweimanualig waren nur Oberebersbach und die nicht autorisierte
Orgel in Lomnitz; die Orgel in Naunhof erhielt ihr II. Manual nachträglich.
Wahrscheinlich um 1870 traten die Söhne Karl Theodor (1837
- 1917) und Bernhard August (1846 - 1932) in die Firma ein, die fortan
als "Gebr. Nagel" firmiert. In den 1870er Jahren erlebte die Firma ihren
größten Aufschwung. Allein in diesem Jahrzehnt entstanden 6 mittel-große
zweimanualige Orgeln mit 18 - 20 Registern (um 1870 Krakau II/18, 1867
oder 1871 Schwepnitz II/18, 1872 Oelsnitz/bei Großenhain II/19, 1876 Ottendorf-Okrilla
II/19, 1878 Berggießhübel II/19, 1879 Blankenstein II/20).
Die Orgel in Blankenstein ist das größte Werk der Firma. Außerdem entstanden
im gleichen Zeitraum 3 kleinere Orgeln mit 1 bzw. 2 Manualen und 11 oder
12 Registern und einige Umbauten bzw. Reparaturen. Diese 9 Orgeln der
Gebr. Nagel weisen stilistisch Ähnlichkeiten mit den Orgeln der Firma
Jehmlich auf. Es ist nicht auszuschließen, daß Jehmlich (Dresden) Lehrmeister
der Brüder war.
Ab 1880 bricht die nachweisbare Aktivität der Firma fast
schlagartig ab. Es sind mir bis jetzt nur 1 Neubau (1890) mit 12 Registern
und 2 Reparaturen bekannt. Möglicherweise finden sich noch weitere Orgeln
in Südostbrandenburg. Es scheint aber auch, daß die Söhne nach dem Tod
des Vaters den Orgelbau nur noch als Gelegenheitshandwerk betrieben. Offenbar
war auch der Konkurrenzdruck von Jahn und Jehmlich in Dresden, Keller
in Ostrau, Kreuzbach in Borna sowie den neuen Firmen Schuster, Eule und
ab 1905 auch Voigt, die alle im Bereich um Großenhain tätig waren, zu
groß geworden. Die Firma soll jedoch bis in die 20er Jahre noch tätig
gewesen sein.
Alle 31 bekannten Nagel-Orgeln bis 1879 haben mechanische
Schleifladen. In der Fachliteratur werden 1888 Kegelladen nach eigener
Ausführung Nagels beschrieben, für die ich bis jetzt keinen Beleg gefunden
habe (das Windladensystem in Gorßkoschen 1890 ist mir noch nicht bekannt).
Die meisten enthaltenen Gebläseanlagen sind Kastenbälge. Berggießhübel
1878 hat außerdem in der Orgel über dem Pedalwerk einen einfaltigen Keilbalg
(als Magazin). Die Prospektpfeifen sind weitgehend klingend. Vor allem
die Orgeln der Gebr. Nagel aus den 1870er Jahren sind sehr solide, sauber,
übersichtlich und schön gearbeitet. Klanglich entsprechen sie dem Typ
der sächsisch-hochromantischen Orgel der Dresdner Schule. Eine Besonderheit
ist die frühe Verwendung der Aeoline 8' als zartem Streicher ab etwa 1860
(etwa zeitgleich mit C. E. Jehmlich).
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