Kathedrale Dresden (ehem. Kath. Hofkirche)

Kathedrale Dresden (ehem. Kath. Hofkirche)

Erbauer: Gottfried Silbermann 1755
Restaurierung:
Jehmlich Orgelbau Dresden GmbH 2001-2002
Orgelbauwerkstatt Wegscheider
Spieltraktur: mechanisch
Registertraktur: mechanisch
Ladensystem: Schleifladen

 

Disposition:

   
I. BRUSTWERK C,D-d3   II. HAUPTWERK C,D-d3
  1. Gedackt
8'
  11. Principal
16'
  2. Principal
4'
  12. Bordun
16'
  3. Rohrflöt
4'
  13. Principal
8'
  4. Nassat
3'
  14. Viol di Gamba
8'
  5. Octava
2'
  15. Rohrflöt
8'
  6. Sesquialtera
(4/5' rep.)
  16. Octava
4'
  7. Quinta
1 1/2'
  17. Spitzflöt
4'
  8. Sufflöt
1'
  18. Quinta
3'
  9. Mixtur
III
  19. Octava
2'
10. Chalumeau ab g°
8'
  20. Tertia
(1 3/5')
      21. Mixtur
IV
      22. Zimbel
III
      23. Cornet ab c'
V
      24. Fagott
16'
      25. Trompet
8'
 
   
III. OBERWERK C,D-d3   PEDAL C,D-d1
26. Quintadehn
16'
  40. Untersatz
32'
27. Principal
8'
  41. Principalbass
16'
28. Unda maris*
 8'
  42. Octavbass
8'
29. Gedackt
8'
  43. Octavbass
4'
30. Quintadehn
8'
  44. Pedalmixtur
VI
31. Octava
4'
  45. Posaunenbass
16'
32. Rohrflöt
4'
  46. Trompetenbass
8'
33. Nassat
3'
  47. Clarinbass
4'
34. Octava
2'
     
35. Tertia
(1 3/5')
     
36. Flaschflöt
1'
     
37. Mixtur
IV
     
38. Echo ab c'
V
     
39. Vox humana
8'
   
         
* rekonstruiertes Register      
       
KOPPELN UND SPIELHILFEN  
 
   
Manualschiebekoppeln III/II, I/II  
Bassventil (Koppel II/P)    
Sperrventile    
Tremulant    
Schwebung für das Oberwerk      
Kalkantenklingel    
     
Stimmtonhöhe: 415 Hz bei 15°C
Stimmungsart: gleichstufig

 

 

Vertikalschnitt der Orgel mit der zu rekonstruierenden Balganlage (Prinzipskizze)

Vertikalschnitt der Orgel (Prinzipskizze)

 

Werkstattbilder zur Rekonstruktion der Balganlage

Hobeln der Balgplatten und Einpassen der GratleistenDie rekonstruierte Balganlage besteht aus 6 Keilbälgen (je 1,55 x 2,84m) und 6 Tretbalken für Kalkantenbetrieb; die 3 rechten Bälge für das Großpedal und Kleinpedal, die 3 linken Bälge für das Hauptwerk, Brustwerk und Oberwerk.
Bei Motorbetrieb wird der Wind durch einen Elektroventilator erzeugt und über einen Windkanal in die beiden unteren Bälge weitergeleitet; die Rückschlagventile werden hierbei aufgestellt, so daß alle Bälge mit Motorwind versorgt werden.

Balgplatten und Falten Bälge nach der Belederung


Des weiteren werden durch unsere Firma die Windkanäle rekonstruiert, alle Zwischenbälge entfernt, der Spieltisch mit der originalen Manualklaviatur restauriert, sowie die Ton- und Registertraktur überarbeitet.
Das Pfeifenmaterial und die Windladen werden durch die Orgelbauwerkstatt Wegscheider überarbeitet.
Die Intonation und Tieferstimmung auf 415 Hz erfolgt in Zusammenarbeit beider Firmen.
Die Umbaumaßnahmen werden an der Orgel im Zeitraum von Oktober 2001 bis Oktober 2002 ausgeführt.


Montagebilder aus der Kathedrale

Oktober 2001

Erste Teile für die Rekonstruktion der Orgel werden durch die Deckenöffnung im Glockenturm heraufgezogen und auf der Empore zwischengelagert.

Befestigen eines Balges an der Seilwinde Maßarbeit beim Heraufziehen der Bälge durch die Deckenöffnung

Heraufziehen der Balggerüstteile

 

November 2001

Demontage diverser Orgelteile und Abriß der vorhandenen Bälgekammer und Orgelrückwand. Anschließend Aufbau der neuen Orgelrückwand.

Demontage der Orgel Klaviatur

 

Arbeiten in der Bälgekammer hinter der OrgelSetzen der Rückwandbalken für die Orgel

 

Dezember 2001

Kraftakt: Das Bälgegerüst wird aufgebaut und anschließend die 6 Keilbälge mit je 350kg in das Gerüst eingebracht.

Restaurierungsarbeiten am Orgelprospekt

 

Aufbau des BälgegerüstesAufbau des Bälgegerüstes

 

Heraufziehen der Bälge in die BalgkammerBlick von der Empore auf die offene Bälgekammer

Balganlage von vorneBalganlage von der Rückseite

Nach vollbrachter Arbeit...

Der Kraftakt ist vollbracht

Schmieden der Wellen, Splinte, Wellenlager und Nägel für die Rekonstruktion der Balganlage

SchmiedearbeitenSchmiedearbeiten

 

Januar bis März 2002

Alle Balken sind montiert; die Balgkammer und Orgelrückwand kann nun mit breiten, vertikal verlaufenden Fichtenbrettern geschlossen werden.
In der Werkstatt werden die Windkanäle, Ventile, Gangböden, Geländer und die Balgkammertreppe gefertigt. Die originalen Wellenbretter werden sorgsam restauriert; die ausgetuchten Wellenlager und Bohrungen in den Wellenärmchen werden aufgebohrt, zugedübelt und mit neuen Achsbohrungen versehen.
In der Balgkammer werden die Claves und Schubstangen eingerichtet, die Windkanäle montiert und die automatische Seilzuganlage für die Bälge eingebaut.

Blick auf die Balgkammer und Orgelrückwand Herstellung der Windkanäle

 

April bis Mai 2002

Nachdem die Windladen eingebracht sind, werden die restaurierte Klaviatur, die Tontraktur und die Registertraktur eingebaut.

Blick auf das restaurierte Orgelgehäuse mit neuen Putten Einbau der Registertraktur

Blick in die fertig gestellte Balgkammer Restauriertes Wellenbrett

Einbau des Kanaltremulanten Einrichten der Schleifen und Stöcke

 

Blick von hinten auf die angelängten Prospektpfeifen Angelängte Subbasspfeifen

 

Juni 2002

Die Intonation beginnt.

die Intonation beginnt die Intonation beginnt

 

30. Oktober 2002

Erfolgreiche Abnahme der Orgel durch das Orgelgremium in der Kathedrale Dresden.

zur Orgelabnahme zur Orgelabnahme

 

Detailaufnahmen Detailaufnahmen

 

restaurierter Spieltisch Detailaufnahmen

 

Blick in das restaurierte Pfeifenwerk Blick in das restaurierte Pfeifenwerk

 

Blick in das restaurierte Pfeifenwerk restaurierte Tontraktur

 

Blick in die rekonstruierte Balgkammer Blick in die rekonstruierte Balgkammer

3. November 2002

Feierlicher Wiedereinweihungsgottesdienst mit Bischof Joachim Reinelt, Domorganist Hansjürgen Scholze/Orgel, Dresdner Kapellknaben, Kathedralchor, Mitglieder der Sächs. Staatskapelle,
Leitung: Domkapellmeister Matthias Liebich

mit anschließender Festwoche.

 

Für weiter Informationen siehe auch Bericht "Frischer Wind um das Opus magnum.
Das Spätwerk Gottfried Silbermanns und seiner Schüler in der Dresdner Kathedrale."

Orgel International 2001/6

 

Geschichtliches zur Orgel in Kurzfassung

1750

1750 Unterzeichnung des Orgelbauvertrages für die Königliche Schloßkirche zu Dresden durch Gottfried Silbermann und J.C. Graf von Hennicke

   
1753

1753 Am 4. August 1753 stirbt Gottfried Silbermann nach langer Krankheit. Die Orgel wird von Z. Hildebrandt (Schüler und früherer Mitarbeiter von G. Silbermann) und J. Daniel Silbermann (Neffe von G. Silbermann) fertig gestellt

   
1754 1754 Orgelweihe am 2. Februar 1755
   
1763 - 1836 Reinigung und Reparaturen durch verschiedene Orgelbauer
   
1836 J. Gotthold Jehmlich wird zum Königlich-Sächsischen Hoforgelbauer ernannt und übernimmt mit diesem Amt auch die Betreuung der Hofkirchenorgel, wozu u.a. das wöchentliche Stimmen der Zungen gehört
   
1883 Reinigung und Reparatur durch C.E. Jehmlich Höherstimmung (von a = 418 Hz. auf a = 425 Hz)
   
? Erweiterung des Pedalumfanges um cis'und d'
   
1937

Überholung durch Gebrüder Jehmlich
- Einfügen von Cis in Manualen und Pedal, Fortrücken der Mechanik
- Erweiterung des Pedalumfanges um dis'-f'
- Einbau von 47 Ergänzungsladen mit 71 Pfeifen
- Einbau von 4 Ausgleichsbälgen ("Schwimmer-Roßbälge") unter den Windladen   zur Aufhebung der Windstößigkeit
- Erneuerung aller Ventilfedern in Pedal- und Hauptwerksladen
- Einstimmung auf a = 445 Hz (original a' = 415 Hz)
- Ersatz der Schiebekoppeln durch Wippenkoppeln
- Veränderung der Pedalkoppel

   
1937 Umstimmung durch Gebrüder Jehmlich
- Einstimmung auf a = 440 Hz, dabei Veränderungen am Pfeifenwerk
   
1944 Auslagerung der Orgel (außer Gehäuse und Bälgen) in Kloster Marienstern (Windladen, Registratur, Spieltisch u.a. bis 1963; Pfeifen bis 1966)
   
1945 Zerstörung von Gehäuse und Bälgen durch Luftangriffe
   
1964-71 Rekonstruktion der Orgel durch Gebrüder Jehmlich
Arbeiten zur Wiederherstellung des Originalzustandes:
- Instandsetzung der Schleifwindladen, der Spiel- und Registertraktur und des   Pfeifenwerkes
- Entfernung der 1937 angebrachten Windladenbälge
- Manual-Schiebekoppeln wurden rekonstruiert (Wippenkoppeln entfernt)
- Ausbau der Töne Cis in den Manualen und im Pedal (umhängen der Traktur)
- Pfeifenaufschnitte wurden erniedrigt, Kernstiche beseitigt
- Neubau der Klaviaturen (waren schon einmal ausgetauscht worden)
   
30.5.1971 Orgelweihe (Pfingsten)
   
1992 Ersatz der Lederpulpeten durch Bleipulpeten in OW, HW, BW und Pedal
   
1995 Reparatur-und Regulierungsarbeiten an der Pedaltraktur